Mit dem Ost-Wind nach Westen

Zeitzeuge berichtet von der Flucht aus der DDR

In einem Monat jährt sich der Mauerfall zum 34. Mal. Umso wichtiger erscheint es, die Erinnerung an die deutsche Teilung, das totalitäre System der DDR und dessen Ende durch die friedliche Revolution 1989 wachzuhalten. Deshalb lädt das Gymnasium Bad Königshofen immer wieder Zeitzeugen ein, die von einer Welt berichten, die geografisch so nah war, doch im täglichen Bewusstsein nur noch wenig Beachtung findet.

Am Mittwoch, dem 4. Oktober, kam Günter Wetzel, zu uns ans Gymnasium, um als Zeitzeuge über seine abenteuerliche Flucht aus der DDR im Jahr 1979 zu berichten und den Schülerinnen und Schülern für Fragen zur Verfügung zu stehen. Die Lehrkräfte sowie auch die Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe folgten gebannt Wetzels interessanten Details der riskanten Flucht.

Es ist eine unglaubliche Geschichte: Vor über 40 Jahren – mitten im Kalten Krieg – flohen die beiden befreundeten Familien Wetzel und Strelzyk, zwei Ehepaare mit ihren vier Kindern, aus der DDR. Sie taten das auf spektakuläre Weise, indem sie mit einem selbstgebastelten Heißluftballon über die innerdeutsche Grenze in die Freiheit schwebten. Weltweit wurde damals über diese unglaubliche Geschichte berichtet, Bücher veröffentlicht und selbst Hollywood verfilmte diese wahre Begebenheit bereits im Jahre 1980 unter dem Titel „Night Crossing“. Eine Neuverfilmung mit dem Titel „Ballon“ erschien pünktlich zum 40-jährigen Jahrestag dieser geglückten Flucht aus der DDR.

Der Film, berichtet Wetzel an diesem Vormittag in der Aula des Gymnasiums, spiegele die Ereignisse in den Wochen und Monaten zuvor und besonders in jener schicksalhaften Nacht gut wieder; wenngleich natürlich Bully, wie er den Regisseur Michael Herbig freundschaftlich nennt, immer wieder auch Dinge bewusst zugespitzt habe, was aber für einen Kinofilm normal sei.

Wetzel berichtet abschließend, dass er mit dem heutigen Wissen die Aktion so nicht durchgeführt hätte, wenngleich damals die Entscheidung absolut richtig gewesen sei. Inzwischen verfügt er nämlich über mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung als Pilot und Fluglehrer, welches ihm erst viel später vor Augen geführt hat, wie viel Glück mit an Bord gewesen ist, als der Ballon vor fast genau 44 Jahren am 16. September in die Freiheit fuhr.

Ganz egal, wie man diese Zeit auch erlebt hat und wie man diese Zeit im Nachhinein betrachtet, wir sollten nicht alles in Vergessenheit geraten lassen, denn diese 40 Jahre sind ein sehr wesentlicher Teil unserer Vergangenheit und auch der Geschichte Deutschlands.“

Günter Wetzel (https://www.ballonflucht.de/home.html?content=home)

Dass es dem Zeitzeugen gelang, die Zuhörer mit seiner persönlichen Erzählung in den Bann zu ziehen, zeigte sich auch an den vielen Fragen, die die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an seinen Bericht über seine Erlebnisse an ihn richteten. Ihnen wird dieser Tag nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

(OStRin Kristina Neundorf)

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