Europäische Politik hautnah erleben – Exkursion des Leistungsfaches Politik nach Nürnberg

Was macht man als Deutschlehrkraft, wenn man nicht gerade Erörterungen korrigiert oder mit der 9. Klasse über den Sinn des Konjunktivs diskutiert? Man zieht los und schaut sich an, wo die großen Geschichten tatsächlich lebendig werden: im Theater! Die Fachschaft Deutsch unseres Gymnasiums machte sich daher am Donnerstag, den 2. Juli, auf den Weg nach Meiningen, um dem dortigen Staatstheater einen Besuch abzustatten – und wurde nicht enttäuscht.

Eine Führung, die alle Sinne anspricht

Empfangen wurden wir von Frau Klapka, die uns knapp zwei Stunden lang durch das ehrwürdige Haus führte – und dabei bewies, dass Theatergeschichte alles andere als verstaubt sein muss. Mit sichtlicher Begeisterung erzählte sie von der bewegten Vergangenheit des Meininger Theaters, das einst als „Musterbühne Europas“ galt und Regisseure wie Schauspieler aus ganz Europa anlockte. Da kam bei dem ein oder anderen Kollegen glatt die Frage auf, ob man nicht doch besser Theaterwissenschaften hätte studieren sollen.

Der eigentliche Clou der Führung war aber der Blick hinter die Kulissen – und zwar wortwörtlich. Wir durften auf die Bühne, standen mittendrin, wo sonst nur Schauspieler stehen dürfen, und bekamen erklärt, wie ein komplettes Bühnenbild in Windeseile auf- und wieder abgebaut wird. Man ahnt gar nicht, wie viel Logistik, Muskelkraft und Millimeterarbeit dahintersteckt, bis eine Kulisse so aussieht, als sei sie schon immer da gewesen.

Weiter ging es in die Maske, wo aus normalen Menschen in Rekordzeit Könige, Dämonen oder tragische Heldinnen werden – Schminktische, Perücken und geheimnisvolle Fläschchen inklusive. Fast noch beeindruckender war der Kostümfundus: Regalreihen voller Gewänder aus verschiedensten Epochen, sorgfältig sortiert und gehegt wie ein Museum zum Anfassen. Und dann die Waffen- und Requisitenkammer – ein Ort, an dem man sich beim besten Willen nicht entscheiden konnte, was faszinierender war: die täuschend echten Schwerter oder die Frage, wie viele Toaster man wohl braucht, um jedes erdenkliche Bühnenstück auszustatten. Kurzum: Wer dachte, Theater sei nur Text und Rampenlicht, wurde eines Besseren belehrt. Hinter jedem gelungenen Auftritt steckt ein ganzes Universum an Handwerk, Kreativität und Präzisionsarbeit.

Nach so viel Input brauchte es natürlich eine Stärkung. Bei einem gemeinsamen Abendessen ließ die Fachschaft die Eindrücke der Führung Revue passieren, diskutierte angeregt über das schulinterne Schreibpogramm und sammelte neue Energie für den zweiten Teil des Abends

Der Höhepunkt: „Fabian“ auf der Bühne

Gut gestärkt ging es dann zum eigentlichen Anlass des Abends: der Theatervorstellung „Fabian“ nach dem Roman von Erich Kästner. Und was soll man sagen – die Inszenierung war schlicht gelungen. Nach dem Blick hinter die Kulissen am Nachmittag hatte man plötzlich einen ganz neuen Blick auf das Geschehen auf der Bühne. Die Aufführung selbst überzeugte durch eine dichte Atmosphäre, starke schauspielerische Leistungen und eine Inszenierung, die Kästners Gesellschaftskritik auf beeindruckende Weise ins Heute transportierte.

Ein rundum gelungener Ausflug, der einmal mehr gezeigt hat: Literatur lebt nicht nur zwischen Buchdeckeln, sondern ganz besonders auf der Bühne. Die Fachschaft Deutsch reist definitiv wieder gerne aus – am liebsten natürlich dorthin, wo Geschichten lebendig werden. 

Kristina Neundorf

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