Europäische Politik hautnah erleben – Exkursion des Leistungsfaches Politik nach Nürnberg

Vom 28. bis 30. Juni machten wir, 14 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12, uns im Rahmen des Leistungsfaches Politik und Gesellschaft zusammen mit unseren Lehrkräften Frau Lehmann und Herrn Salomonson auf den Weg nach Nürnberg. Dort erwartete uns nicht nur ein spannendes EU-Planspiel, sondern auch drei ereignisreiche Tage voller neuer Erfahrungen und gemeinsamer Erlebnisse. Nach der Abfahrt am Schweinfurter Hauptbahnhof um 15 Uhr erreichten wir gegen 17 Uhr ohne Zwischenfälle unser Hotel in Nürnberg. Doch der Anreisetag war damit noch lange nicht beendet. Bei sommerlichen 38 Grad lieferte eine Kugel Eis zunächst einmal die benötigte Abkühlung, bevor es direkt spannend weiterging: In zwei Gruppen aufgeteilt, stellten wir uns den kniffligen Rätseln in einem Escape Room. Nur durch Teamarbeit, Kommunikation und eine Portion Kreativität konnten wir die Aufgaben lösen. Den Abend verbrachten wir anschließend gemeinsam im Restaurant, wo wir bei gutem Essen und interessanten Gesprächen den ersten Tag gemütlich ausklingen ließen. Für einen kleinen Überraschungsmoment sorgte jedoch das Wetter: Als wir über den Aufbruch zurück ins Hotel nachdachten, wurden wir von einem kräftigen Gewitter überrascht. Schließlich nutzten wir die erhoffte Regenpause, um möglichst trocken ins Hotel zu gelangen. Ein ereignisreicher erster Tag fand somit ein ebenso

nasses wie unterhaltsames Ende.

Nach der entspannten Ankunft am Vortag begann für uns am nächsten Morgen der erste Verhandlungstag. Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Großen Sitzungssaal im Nürnberger Rathaus, wo um 8 Uhr das EU-Planspiel der Akademie für Politische Bildung Tutzing über die europäische Klimapolitik startete. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern zweier weiterer Schulen, des Hans-Sachs-Gymnasiums in Nürnberg und des Laurentius-Gymnasiums Neuendettelsau, schlüpften wir in die Rollen verschiedener Akteure der Europäischen Union. Bereits im Vorfeld waren wir den drei Organen – der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Rat der Europäischen Union – zugeteilt worden, während eine kleine Gruppe von vier Personen als Presse agierte. Zusätzlich vertraten wir unterschiedliche Mitgliedstaaten oder Fraktionen mit ganz verschiedenen politischen Positionen. Schon am Vormittag wurde deutlich, wie lebendig und anspruchsvoll Politik sein kann. Im Europäischen Parlament sorgte zunächst die spannende Stichwahl des

Parlamentspräsidenten für Aufmerksamkeit. Anschließend wurde über die Gesetzesvorschläge der Kommission zur europäischen Klimapolitik intensiv diskutiert. Unterschiedlichste politische Überzeugungen trafen aufeinander, sodass hitzige Wortwechsel nicht ausblieben. Parallel dazu beriet der Rat der Europäischen Union ebenfalls über die Gesetzesvorschläge, legte gemeinsame Positionen fest und führte erste Probeabstimmungen durch.

Nach der Mittagspause ging die politische Arbeit in die nächste Runde. Gesetzesentwürfe wurden überarbeitet, Änderungsanträge formuliert und weitere Abstimmungen durchgeführt. Die Presse begleitete das gesamte Geschehen mit Interviews, aktuellen Berichten und Presseartikeln und trug damit zur realistischen

Atmosphäre des Planspiels bei. Das Ende der heutigen Arbeitsphase bildete die Podiumsdiskussion der Presse mit einigen Politikerinnen und Politikern. Nach einem intensiven Verhandlungstag freuten wir uns auf das gemeinsame Abendessen im Biergarten. Anschließend stand mit dem gemeinsamen Public Viewing des WM-Spiels zwischen Deutschland und Paraguay ein besonderes Highlight auf dem Programm. Bei teilweise mehr oder minder guter Sicht in einem Restaurant haben wir den ganzen Abend über mitgefiebert und mitgefeiert – egal, ob auf einer der Leinwände oder auf dem Handy. Bis weit nach Mitternacht verfolgten wir die spannende Partie, die zunächst in die Verlängerung ging und schließlich im Elfmeterschießen endete. Trotz der Niederlage für Deutschland, sowie dem damit verbundenen WM-Aus, und der späten Rückkehr im Hotel gegen 2 Uhr rundete die gemeinsame Zeit den Tag erneut perfekt ab. Trotz anhaltender Müdigkeit und einer gewissen Enttäuschung über das Spielergebnis standen wir am nächsten Morgen pünktlich mit gepackten Koffern in der Hotellobby. Im Rathaus begann anschließend um 9 Uhr der zweite Verhandlungstag. Zunächst wurden

Presseerklärungen verfasst, bevor Parlament und Rat in informellen Gesprächen nach Kompromissen suchten. Auch Interessenvertretungen kamen zu Wort und brachten ihre Positionen in die Plenardebatte im Parlament ein. Im weiteren Verlauf fanden die erste Lesung des Rates sowie weitere Beratungen über den geänderten Gesetzesentwurf statt. Am Nachmittag näherte sich das Planspiel seinem Höhepunkt. Im Spitzengespräch zwischen der Präsidentin des Ministerrats, Alessia Härter, dem Präsidenten Europäischen Kommission, Hannes Fell, und dem Präsidenten des Europäischen Parlaments forderten die Pressevertreterinnen und Pressevertreter Erläuterungen und Antworten auf komplexe Fragen und kritische Konfrontationen. Danach folgte die zweite Lesung im Parlament und im Rat. Da zunächst keine Einigung erzielt werden konnte, musste schließlich ein Vermittlungsausschuss einen gemeinsamen Kompromiss ausarbeiten. Nach langen Diskussionen, zahlreichen Änderungsanträgen und vielen Kompromissen war es schließlich geschafft: Das Gesetz wurde in der dritten

Lesung erfolgreich verabschiedet. Die Freude über diesen gemeinsam erreichten Erfolg war bei allen Beteiligten deutlich spürbar.

Den Abschluss bildeten eine gemeinsame Reflexionsrunde und ein Realitätscheck. Dabei verglichen wir unsere Ergebnisse mit der tatsächlichen europäischen Klimapolitik und diskutierten aktuelle politische Entwicklungen. Neben den fachlichen Erkenntnissen bleibt vor allem die gemeinsame Zeit in Erinnerung. Wir konnten viele neue Bekanntschaften schließen, unsere Fähigkeiten im Verhandeln, Diskutieren und Kompromissfinden weiterentwickeln und dabei erleben, wie anspruchsvoll, aber auch spannend Politik sein kann. Am späten Nachmittag traten wir schließlich die Heimreise an. Gegen 17:30 Uhr verließen wir den Nürnberger Hauptbahnhof und kamen zwar erschöpft, aber mit vielen neuen Eindrücken und wertvollen Erfahrungen wieder zu Hause an. Die Studienfahrt hat eindrucksvoll gezeigt, dass Politik weit mehr ist als Theorie aus dem Schulbuch – sie lebt

vom Austausch, vom Kompromiss und vom Engagement der Menschen, die sie gestalten.

Lisa Schüler, Q12

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