Auf den Spuren einer jüdischen Familiengeschichte

Monika Jalili im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Bad Königshofen

The Suitcase – der Aktenkoffer, den ihr Vater bis zu seinem Tod stets bei sich trug. Mit diesen Worten beendete Monika Jalili am 6.10.2026 ihren englischsprachigen Vortrag vor den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 11 bis 13 am Gymnasium Bad Königshofen.

Was sich in dem Koffer befand, weiß sie bis heute nicht. Für ihren Vater Walter Bergenthal schien er nach seinen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus jedoch von unschätzbarem Wert zu sein. Der Koffer ist eines von vielen Rätseln, die Monika Jalili bei ihrer Suche nach der Geschichte ihrer Familie bislang nicht lösen konnte.

Anschaulich und lebendig nahm sie ihr Publikum mit auf diese Spurensuche. Ihr Vater war als Zehnjähriger aus den Niederlanden, wohin seine Familie aus Deutschland emigriert war, in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert worden. 1944 kam er gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester durch einen Gefangenenaustausch frei: 222 jüdische Häftlinge wurden gegen deutsche „Templer“ ausgetauscht, die in Palästina von den Briten interniert worden waren. Walter Bergenthal war zudem Enkel des jüdischen Lehrers Gerson Bergenthal, der von 1879 bis 1917 in Bad Neustadt und Münnerstadt unterrichtete.

Mit ihrer persönlichen und eindrucksvollen Art verknüpfte Monika Jalili die aus dem Unterricht bekannten Inhalte mit der Geschichte ihrer Familie. Ihre Erzählungen verdeutlichten, wie die Erfahrungen der Verfolgung über Generationen hinweg nachwirken und die Suche nach der eigenen Familiengeschichte prägen können.

Im Anschluss hatten die Jugendlichen Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit der Referentin ins Gespräch zu kommen. Der Vortrag eröffnete ihnen einen persönlichen Zugang zur Geschichte des Holocaust und verdeutlichte, wie wichtig es ist, Familiengeschichten zu bewahren und die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen lebendig zu halten.

Das Geheimnis des Aktenkoffers bleibt ungelöst. Doch Monika Jalilis Suche zeigt, wie wertvoll es ist, den Spuren der eigenen Vergangenheit nachzugehen.

Anna Saal

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